Eine Forschungsreise in die Vergangenheit

Stell dir vor, du reist ganz, ganz weit zurück in der Zeit. Du lässt Städte zusammen mit ihren lärmenden S-Bahnen und vor Autos und Menschen wimmelnden Straßen hinter dir. Du lässt das moderne Leben, mit seinem Stress und seinem Komfort hinter dir. Nicht einmal deine Kleidung behälst du, sondern tauschst sie gegen einfache Tierfelle ein.
Du bist angekommen im Jahre 9000 v. Chr.

Du läufst durch die unberührte Wildnis. Spürst, wie kühles Wasser aus einem plätschernden Bach an deinen Knöcheln vorbei rauscht. Aber plötzlich, was ist das?! Im kühlen Nass liegt etwas. Du bückst dich langsam und erblickst einen wunderschönen Stein, den du aus dem Wasser holst.
Der Stein liegt schwer in deiner Hand. Du hälst ihn ins Licht und staunst bei dem Anblick: In schimmernden Spiralen ergießen sich Türkis- und Blautöne über diesen Stein, er glitzert atemberaubend schön im grellen Sonnenlicht!
Du entscheidest dich, den Stein mitzunehmen und machst dich wieder auf den Heimweg.

So ähnlich erzählt auch Nils Horstmann, Lehrer für das Fach Gesellschaft und Politik (kurz GuP), der Klasse 5a die Geschichte eines Steines, um den es sich in der heutigen Stunde drehen soll.
Die Kinder staunen nicht schlecht, als Nils Horstmann plötzlich eben diesen Stein in der Hand hält.
Natürlich stellt sich jetzt die Frage, was macht man mit so einem schönen Stück Felsen?
Um diese Frage zu beantworten, hat Claudia Sobich wieder Verstärkung aus der Uni mitgebracht. Mit dabei sind heute Nils Ellendt, Geschäftsführer des SFB1232, und Arne Beinhauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt S01.

Zunächst dürfen die kleinen Forscherinnen und Forscher aber mal mutmaßen, wie man den Stein am besten untersuchen könnte. In siedendes Wasser oder ins Feuer werfen, abschaben mit einem anderen Stein oder einfach zerschlagen, da fällt den Kindern genug ein.
Nachdem Nils Ellendt erklärt hat, dass die beste Möglichkeit den Stein zu untersuchen, tatsächlich wäre, ihn in seine Einzelteile zu zerlegen, nehmen wir also die Kinder beim Wort und es geht los mit dem Kaputthämmern – natürlich darf auch dieses Mal entsprechende Schutzkleidung nicht fehlen.

Dass man beim Hämmern lieber auf seine Finger achtet, wird gleich mitgelernt (aber der Schmerz ist schnell vergessen). Die Beobachtungen beim Hämmern und die Ergebnisse aus einer ersten Untersuchung der Kleinteile werden anschließend an der Tafel festgehalten. Besonders interessant erscheint dabei, dass in dem Stein wohl etwas kupfern Glänzendes enthalten sei.
Um dieser heißen Spur nachzugehen, entscheidet sich die Klasse, zusammen mit den Forschern von der Uni, dass im nächsten Schritt der Stein erhitzt werden soll.
Da wir nicht „Steinzeit-getreu“ ein Lagerfeuer mitten im Nawi-Raum legen können, müssen Nils Ellendt und Arne Beinhauer etwas improvisieren: Sie mischen das Steinpulver mit Kohlestaub(der das brennende Holz darstellt) und erhitzen es anschließend über einem Bunsenbrenner. Nach einiger Zeit über der rauschenden Flamme fängt das tiefschwarze Gemisch zur Begeisterung der Kinder langsam an, sich kupfern zu verfärben. Bei diesem ganz besonderen grünen Stein handelt es sich nämlich nicht um einen normalen Kieselstein, nein, hier haben wir es mit Kupfererz zu tun und wir haben gerade das Metall entdeckt, so ähnlich wie auch die Menschen damals am Ende der Steinzeit.

Was muss das spannend gewesen sein damals, äußern die Kinder, ein ganz neues Material und ganz neue Möglichkeiten. Daraus lassen sich neue Gegenstände mit wahrscheinlich besseren Eigenschaften herstellen. Aber auch für Schmuck kann man sowas schön Glänzendes verwenden, da sind sich die Kinder sicher. Um jetzt auch noch das Gelernte anzuwenden, werden Pfeilspitzen gegossen. Leider muss das Kupfererz eigentlich auf 1085°C erhitzt werden, damit es schmilzt. Doch auch jetzt können wir kein Lagerfeuer machen, sondern Nils Ellendt und Arne Beinhauer haben Gallium mitgebracht (schmilzt schon bei 29,76°C) und der Spaß kann losgehen. Außerdem hat Gallium einen silber-metallischen Glanz. Sieht auch sehr schön aus.

Bevor die Kinder in die Pause dürfen, darauf brennend, das Gelernte ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu erzählen, müssen natürlich alle Ergebnisse vom Tafelbild ins Heft übertragen werden.
So geht die erste ereignisreiche Stunde aus der Lehreinheit „Metallzeit – Evolution durch Werkzeuge“ zu Ende.

Emilia Kurilov ist studentische Mitarbeiterin im TP Öffentlichkeitsarbeit. Sie studiert Medien-, Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaft an der Uni Bremen.

Bildquellen

  • Beim Gießen der Pfeilspitzen dürfen alle mitmachen: Emilia Kurilov / SFB1232

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