Das Schiff von Uluburun

Ein versunkenes Schiff, mehr als 3000 Jahre alt. Eine geheimnisvolle Ladung, bestehend aus Zinn und Kupfer, Schmuck, Amphoren, einem vergoldeten Rollsiegel und Dolchen. Was sich auf den ersten Blick wie ein spannender Geschichts-Krimi anhört, ist das Thema unserer heutigen Unterrichtsstunde.

Nachdem die Graduierten aus dem Sonderforschungsbereich in der letzten Stunde erklärt haben, wie es ist, als Forscherin und Forscher zu arbeiten, sind die Kinder heute mal wieder selber dran: Erforscht werden soll das  Schiff von Uluburun (mehr dazu hier), welches ca. 1300 v. u.Z. vor der türkischen Südküste sank und dessen interessante Ladung 1982 geborgen wurde.

Wie beim Forschen so üblich, stellen die Schülerinnen und Schüler zunächst Hypothesen an, wohin das Schiff unterwegs war und vor allem, wieso es so viel Zinn und Kupfer an Bord hatte. Was sofort auffällt, ist die eigentümliche Form der  Metallbarren. Die Kinder finden schnell, dass man sich das einmal genauer angucken sollte. Auch der Schiffstyp, die Ladung und der Fundort des Wracks könnten eine wichtige Rolle spielen bei des Rätsels Lösung.

Um sich den verschiedenen Fragestellungen widmen zu können, arbeiten die Kinder in kleinen Gruppen. Schließlich haben sie in der letzten Stunde gelernt, dass es wichtig ist, viele Spezialisten im Team zu haben und es einfach unmöglich ist für einen Menschen, alles zu wissen.

Wo auf der Karte ist das?

Eine Gruppe breitet also erstmal eine historische Karte auf dem Tisch aus und stellt Vermutungen über die Herkunft der Ladung an. Das Rollsiegel? Erfunden von den Babyloniern, die in einer Tiefebene lebten, die sich zwischen der heutigen Stadt Bagdad (im Irak) und dem Persischen Golf erstreckt. Die Dolche? Aus dem Reich Mykene, im heutigen Griechenland und über 3000 Kilometer entfernt von Babylon. Der goldene Skarabäus? Eindeutig ägyptisch! Es scheint, als sei die Herkunft der Ladung einmal rund ums Mittelmeer verteilt.

Eine andere Gruppe sieht sich das Schiff genauer an. Es hat ein Segel und 2 seitliche Ruder, allerdings keinen richtigen Kiel, den man für eine gezielte Steuerung des Schiffes eigentlich bräuchte. Es gab damals noch nicht viele ausgebauten Häfen, wie wir sie heute kennen, erklärt Nils Horstmann, der GuP-Lehrer. Deswegen war es wichtig, die Schiffe auf dem Sandstrand anlanden zu können. Aber: Ohne Kiel war man eben auch abhängig von den Winden und Meeresströmungen… wie sah wohl die Route des Schiffes aus?

Merkwürdige Kupferbarren

Die beiden anderen Gruppen beschäftigten sich mit Kupfer und Zinn. Welche Eigenschaften haben diese Metalle? Kupfer ist weich und gut verformbar und dass es in der Natur als Kupfererz vorkommt, dass hatten wir ja schon im Januar gelernt, als wir selber Kupfer gewonnen hatten. Die Frage aber ist, woher stammt es womöglich. Alle Latein sprechenden Menschen ahnen es, für uns war das neu:  „Cuprum“ (lat. für Kupfer)  leitet sich ab von „cyprium“, was übersetzt „Erz von der Insel Zypern“ heißt. Und Zypern liegt auch im Mittelmeer, vor der Küste der heutigen Türkei und Syrien. Und das Zinn? Es ist auch weich und verformbar, hat aber einen viel geringeren Schmelzpunkt und abgebaut wurde es vielleicht im Taurus-Gebirge in der heutigen Türkei.

Woher stammen die weiteren Gegenstände?

An der Tafel werden  alle Informationen zusammengetragen und die Gruppen erläutern ihre jeweiligen Vermutungen. Es kann leider nicht geklärt werden, warum das Schiff gesunken ist (worüber wir aber auch gerne wilde Vermutungen anstellen), aber für alles Andere können wir sagen: Wahrscheinlich war das Schiff ein Handelsschiff, das die Winde und Strömungen des Mittelmeers nutzte. In den Häfen, die es dabei anlief, hat es Ladung gelöscht und aufgenommen und dadurch haben die Völker im östlichen Mittelmeerraum Handel miteinander getrieben. Kupfer und Zinn sind wertvolle Materialien, aus denen man hochwertige Gegenstände herstellen kann.

Bleibt noch (unter einigen anderen) die Frage, was die Menschen wohl damals mit Kupfer und Zinn angestellt haben? In zwei Wochen – nach den Winterferien – beantworten wir das an der Uni! Kleiner Tipp vorab: Es hieß ja nicht Kupfer- oder Zinnzeit so um die Zeit damals, als das Schiff von Uluburun sank…

 

Claudia Sobich ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und für die Wissenschaftskommunikation im SFB 1232 zuständig.

Bildquellen

  • Wo auf der Karte ist das?: Claudia Sobich
  • Merkwürdige Kupferbarren: Claudia Sobich
  • Woher stammen die weiteren Gegenstände?: Claudia Sobich
  • Schiff und Schiffsroute: Claudia Sobich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.