Forschung im Vergleich – ein Trip durch die Zeit

Wir sind als Zeitreisende unterwegs, von der Steinzeit geht es heute wieder zurück in die Gegenwart. Erstmal mit der Frage, war das eigentlich Forschung, was wir da letzte Woche als Steinzeitmenschen nachgelebt hatten? Also, sowas wie Urforschung? Haben Menschen damals eigentlich geforscht? Oder sind sie nur über Zufälle gestolpert?

Nils Horstmann will das mit der Klasse heute diskutieren und  hat zwei Bilder zum Vergleich an die Wand geworfen:

Forschung früher und heute: Gibt es Gemeinsamkeiten?

Vieles scheint sehr offensichtlich: Heute arbeiten Forscherinnen und Forscher mit Computern und tragen weiße Kittel dabei! ! Früher haben die Menschen wohl eher zufällig geforscht, heute geht man systematisch vor! Ist das so? Das ist unsere heutige Frage:

Forschung früher (Jungsteinzeit) und heute (2018) – wie prägten Zufälle die Forschung früher und wie prägen sie Forschung heute?

„Wie könnten wir das herausfinden?“, fragt Nils Horstmann und Joris will das ganz pragmatisch lösen: Er schlägt vor,  an die Uni zu fahren und mal kurz nachzufragen. Auch eine gute Idee, aber der Einfachheit halber kommt heute die Uni in die Schule 😉 und zwar in Form von Nils Ellendt, der das Projekt ja mitentwickelt hat, und  einigen unserer Graduierten.

Anastasiya Tönjes, Heike Sonnenberg, Alexander Bader und Gerlies Schulz sind bereit, sich befragen zu lassen: Wozu braucht es Forscherinnen und Forscher überhaupt? Woran forschst du im SFB?  Was macht eine Forscherin aus? Was begeistert dich an deiner Arbeit?

Die Forscherinnen und Forscher aus dem SFB zu Besuch im Klassenraum
Die Forscherinnen und Forscher aus dem SFB zu Besuch im Klassenraum

Und sie sind zugegebenermaßen genauso  aufgeregt wie die Kinder der 5 a, als die jetzt erfahren, dass sie diesen Besuch bekommen. Gerlies Schulz bearbeitet das Teilprojekt Z02 und schreibt mir hinterher:

„Für mich war das Interview mit den Schülerinnen und Schülern eine kleine Herausforderung, da ich nahezu keine Erfahrung im Umgang mit Schulkindern in diesem Alter besitze. Ich war sehr aufgeregt aber auch sehr gespannt, was mich dort erwarten würde. Als ich „meiner“ Gruppe zugeordnet wurde, habe ich mich dann auch direkt in die Zeit zurückgesetzt gefühlt, als ich selbst in diesem Alter und Schülerin war. Ich habe mich also eher „wie eine von ihnen“ gefühlt und nicht wie „die erwachsene Forscherin“. Da den Gruppen eine genaue Bearbeitungszeit vorgegeben wurde, ging das Interview auch schon direkt los. Der Wurf in das kalte Wasser war also schnell vollbracht.

Gerlies Schulz nach dem Sprung ins kalte Wasser

Ich merkte innerhalb weniger Augenblicke, wie unterschiedlich alle Kinder meiner Gruppe waren. Bei einem Kind dachte ich mir: „Ja, das könntest du früher gewesen sein!“ Ich hatte das Gefühl, mich aber sehr gut in jedes Kind hineinversetzen zu können. Natürlich hatte ich auch den Ehrgeiz, die Aufgabe perfekt zu lösen und den Wunsch, dass es ein richtig gutes Interview wird. Am Ende der Stunde hatte ich allerdings das Gefühl, dass es mir nicht meinen Ansprüchen entsprechend gelungen war, den Kindern das geforderte Wissen zu vermitteln. Ich hatte nach jeder gegeben Antwort das Gefühl, dass ich mich viel zu kompliziert ausgedrückt hatte. Meine wissenschaftliche Tätigkeit für Kinder dieses Alters anschaulich darzustellen, war – wie erwartet – nicht ganz einfach. Ein kleines bisschen mehr Zeit wäre schön gewesen, da sich zwischendurch ein Zeitdruck aufgebaut hatte. Aber es war eine gute Übung auch für mich und ich denke, dass die Kinder aus meiner Gruppe trotzdem genug Spannendes aus meinen Erzählungen mitnehmen konnten.“

Und das haben sie sicher, denn unsere Graduierten haben auch was zum Anfassen mitgebracht.

Alexander Bader zeigt, wie die winzigen Kugeln transportiert werden
Alexander Bader zeigt, wie die winzigen Kugeln transportiert werden

Und das wurde gerne und viel auprobiert.  Insbesondere die kleinen Kugeln, die bei uns im Hochdurchsatz getestet werden sollen, fanden alle spannend.

Heike Sonnenberg hat ihren Aspirator mitgebracht

Und dann wurde natürlich darüber gesprochen, wofür man denn die kleinen Proben benötigt und was das alles mit dem Zufall zu tun hat? Der Zufall spielt nach wir vor eine große Rolle in der Forschung, auch in der Materialentwicklung. Durch die vielen kleinen Proben können wir ganz viele verschiedene Legierungen und Bearbeitungen testen und so dem Zufall eine  Chance geben.

Anastasiya Tönjes berichtet aus ihrem Alltag als Forscherin
Anastasiya Tönjes berichtet aus ihrem Alltag als Forscherin

Alle Informationen werden auf Metaplankarten gesammelt und auf das große Poster geklebt, dass ich heute mitgebracht habe.

 

Leonie schreibt die Stichworte auf
Leonie schreibt die Stichworte auf

Aus den Stichworten, die jetzt gesammelt sind, lässt sich erkennen, dass alle unsere Graduierten die Neugier zu Forschung und Wissenschaft gebracht hat. Aber auch, dass sie neben einem planvollen und systematischen Herangehen an ihre Forschung Augen und Ohren offen haben, für all die Zufallsergebnisse, die sich ergeben könnten.

Die Kinder formulieren die Antwort auf die heutige Frage so: „Die Forscherinnen und Forscher heute haben wir uns anders vorgestellt. Früher haben die Menschen Entdeckungen durch Zufall gemacht und dann weiter ausprobiert. Heute wird zwar planmäßig und mit System geforscht, aber der Zufall spielt eine große Rolle. Durch kleine Proben und viele Experimente soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, einen Zufallstreffer zu landen.“

 

 

Und jetzt blinkt sie….

Große und gespannte Ungeduld heute. Die Kinder sitzen Punkt 8 alle an ihren Tischen, die Schulranzen schon aus dem Weg geräumt, die Jacken ausgezogen. „Bitte sofort loslegen!“, ist die nonverbale Botschaft!

Sehr gerne! Eigentlich hatten wir nämlich schon in der letzten Stunde auch  die LEDs zum Blinken bringen wollen, aber uns war die Zeit davon gelaufen. Deswegen wollen wir heute damit starten.

Lutz Mädler ist auch wieder dabei – er war ganz gespannt darauf, wie es sich mit den Arduinos arbeiten lässt und schaut den Kids der 5 a heute neugierig über die Schultern.

Zu Beginn erklärten Sebastian Huhn und Markus Leuschner nochmal ganz genau, wie und warum die Kabel anders gesteckt werden müssen, um die LEDs blinken zu lassen  und was man im Programm alles ändern kann, damit die Lampen unterschiedlich lang leuchten.

Bevor die Kinder mit eigenen Projekten starten, wollen wir ganz sicher gehen, dass diese Grundlagen bei allen angekommen sind.

So sah die erfolgreiche Umsetzung aus:

Markus Leuschner hat 12 Projekte vorbereitet. Alles Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Fotos. Das hat ihn einige Tage Zeit gekostet, aber die Mühe hat sich gelohnt, wie sich  später zeigt.

Diese Projekte haben unterschiedliche Schweregrade. Die Kinder sollen sich und ihre Kenntnisse selber einschätzen und entsprechend wählen. Bei der Verteilung der Projekte können sich alle gut einigen und die Schwierigkeitsgrade werden auch über die Jungs- und Mädchenteams gleichermaßen  verteilt. Das freut uns, dass die Mädchen sich hier auch was zutrauen, denn die Vorkenntnisse zum Thema Programmieren lagen eher auf der Seite der Jungen.

Markus  Leuschner beantwortet noch letzte Fragen, bevor es losgehen soll. Die lustigste kommt von Phillip: „Können wir endlich anfangen?“

Zwischendurch hatten wir in dieser Stunde Besuch von Maren Brandstätter und Charlotte Behr, beide von der Bremer Regionalzeitung „Weser-Kurier“. Sie wollten gerne erfahren, wie unser Schulprojekt in der Umsetzung aussieht. Und so stand es dann eine Woche später in der Zeitung:

Artikel Weser-Kurier Stadtteilbeilage vom 16.11.2017

 

 

 

„Aus dir wird mal eine Lehrerin!“

Diese Worte höre ich immer noch in meinen Ohren. Vor zwanzig Jahren  schüttelte ich noch vehement den Kopf, als meine Klassenlehrerin dies sagte. Auch wenn ich als Kind oft mit meinen Kuscheltieren und Puppen Schule  spielte, gehörte „Lehrer sein“ nicht unbedingt zu meiner Traumvorstellung. Ich wollte mit Delfinen im Amazonas schwimmen, auf den Spuren von Dian Fossey die Berggorillas in Ruanda erforschen und in der Tiefsee neue Arten  entdecken.

Das klang in meinem Kopf nach echtem Abenteuer und Spaß. Schon als Kind habe ich alles um mich herum untersucht und erforscht. So lebte eine Ameisenkolonie unter dem Teppich im Wohnzimmer (ganz zur Freude meiner Eltern) oder die Frösche machten sich aus der für sie eigens von mir gebauten Rennarena auf Erkundungstour durch das Haus, um dann im Abwaschbecken meiner Mutter einen Zwischenstopp einzulegen. Ich wollte wissen, ob Schmetterlinge auch ohne Beine fliegen können, wieso ein Fisch Kiemen hat, warum das Meerwasser blau, aber das Wasser in meinem Trinkglas farblos ist?

Forschen, das war ich und so studierte ich nach dem Abitur selbstverständlich Biologie. Aber bereits im Grundstudium merkte ich, dass mir irgendwas fehlte. Ich war nicht komplett. Also wagte ich das Unmögliche! Ich schrieb mich an der Universität für die Fächer Biologie und Geografie auf Lehramt ein. Und von da an hatte ich einen Plan – so schnell wie möglich Lehrerin werden! Zwanzig Jahre später kann ich behaupten, dass „Lehrer sein“ doch meine Traumvorstellung und die Schule sehr wohl ein Ort für Abenteuer und Spaß ist. Für mich gibt es nichts Schöneres, als Kinder zum Staunen zu bringen, sie für die Natur zu begeistern, ihnen dabei zu helfen, ihre Welt zu verstehen. Und wer sich dieses Kind anschaut, weiß wovon ich rede…

Katrin Börger, Klassenlehrerin der 5a