Von Lichtbogenöfen und Tabletspielen

Am Mittwoch, dem 14.02.2018, um 8:00 Uhr stand Frau Sobich in unserem Klassenraum. Ich fragte mich, wieso sie JETZT hier war, da wir doch eigentlich immer am Donnerstag Projektunterricht haben. Doch als Frau Börger uns erinnerte, dass wir am Donnerstag einen Ausflug ins Museum machen, haben wir verstanden.

Nach der Begrüßung holte Frau Sobich ein Dutzend Tablets heraus und verteilte uns auf Zweiergruppen. Sie teilte die Tablets aus, und sagte, wir würden nun Toontastic spielen. Das ist eine kostenlose App, mit der man Comicfilme drehen kann. Mir gefiel das Filmemachen außerordentlich gut, und ich empfehle die App weiter.

Mit drei Szenen sollten wir Fragen über das Schiff von Uluburun stellen und klären.

Nachdem wir den Film erstellt hatten, sollten wir ihn einem Lehrer zeigen und die Tablets wieder abgeben.

Leider war danach die Stunde schon vorbei.

 

Am 22.02. 2018 haben wir mit dem WAT Projekt begonnen. Dazu kamen zwei neue Mitarbeiter des SFB, Michael Baune und Ingmar Bösing. Mit dem Schwerpunkt Altmetall sind sie in unserem neuen WAT Projekt Altmetall genau richtig.

Sie beschäftigen sich damit, wie man Altmetall effizient recyceln kann. Zum Beispiel erklärten sie uns, dass man Handys nicht wegwerfen sollte, da in ihnen unter anderem Kupfer, Gold und Silber enthalten sind.

Dann haben die beiden zwei Gläser mit Metallstreifen und –spänen herumgereicht. Außen an den Gläsern waren sehr starke Magnete, die von den Spänen gehalten wurden. Mit diesen Magneten konnten wir das Metall in den Gläsern bewegen. Das hat viel Spaß gemacht.

Am Overheadprojektor hat uns Herr Bösing Bilder von einem Schmelzofen gezeigt, in dem gerade Metall geschmolzen wurde. Das Metall auf dem Bild war weißglühend. Je heißer Metall ist, desto weißer wird es.

So ein Lichtbogenofen verbraucht so viel Strom wie eine Kleinstadt. Herr Bösing sagte, dass bspw. Stahlträger je zur Hälfte aus Altmetall und Eisenerz hergestellt werden.

Danach haben wir uns Bilder von Up- und Recycling angesehen, gelernt dass das nicht dasselbe ist, und dann auch schon Frühstück ausgepackt und sind in die Pause gegangen.

War klar!

Zwischen dem Ende  des Moduls „Metallzeit – Evolution durch Werkstoffe“ und dem Beginn des nächsten (ich freu mich schon so drauf, es heißt „Altmetall – mach was draus“,  wir werden was Cooles bauen und einen Wettbewerb haben), habe ich dieses Mal nur eine Stunde mit der Klasse. Normalerweise haben wir immer 2 Wochen zwischen den Modulen, genug Zeit also, damit die Kinder unsere Evaluationsbögen ausfüllen können, wir die vergangene Einheit nochmal Revue passieren lassen und letztendlich Beiträge für diesen Blog kreieren. Also, 30 Minuten die Evaluation, 60 Minuten Zeit für alles Andere, außerdem sollten wir auch mal mit den Tablets arbeiten, die wir extra dafür angeschafft haben und die jetzt auch alle eingerichtet sind. Katrin Börger und ich sind ein wenig ratlos, da komme ich beim Mittagessen mit einer Kollegin ins Gespräch, deren Kinder bei langen Autofahrten mithilfe einer App kleine Filme erstellen und sie sagt: Das ist kurzweilig und geht ganz fix. Natürlich probiere ich das zurück in meinem Büro sofort aus und – es geht wirklich ganz fix! Problem gelöst!

Als ich mit den Tablets an diesem Morgen in die Klasse komme, habe ich schlagartig die volle Aufmerksamkeit der Kinder. „Machen wir heute was damit?“, wird aufgeregt gefragt. Die Vorfreude verhilft auch zu einem schnellen Ausfüllen der Evaluationsbögen (und die Evaluation leidet hoffentlich nicht darunter ;)). Und schon geht’s los. Allerdings gibt es natürlich Vorgaben, wir drehen nicht irgendwelche Filme, sondern die Kinder sollen sich mit dem Schiff von Uluburun beschäftigen, auf dem ja Kupfer und Zinn im geeigneten Verhältnis zur Herstellung von Bronze geladen und das mit dieser Fracht vor über 3000 Jahren vor der heute türkischen Küste gesunken war.  Die App macht uns das Filmen ganz einfach und wir haben nicht nur Riesenspaß beim Erstellen der Filme, die Kinder wiederholen auch dabei die Unterrichtseinheit und finden, so sollten wir das zukünftig immer machen. War klar, oder?

Während manche die Gelegenheit nutzen, ein Epos zu drehen, können sich andere gut aufs Wesentliche beschränken:

 

Das Schiff von Uluburun

Ein versunkenes Schiff, mehr als 3000 Jahre alt. Eine geheimnisvolle Ladung, bestehend aus Zinn und Kupfer, Schmuck, Amphoren, einem vergoldeten Rollsiegel und Dolchen. Was sich auf den ersten Blick wie ein spannender Geschichts-Krimi anhört, ist das Thema unserer heutigen Unterrichtsstunde.

Nachdem die Graduierten aus dem Sonderforschungsbereich in der letzten Stunde erklärt haben, wie es ist, als Forscherin und Forscher zu arbeiten, sind die Kinder heute mal wieder selber dran: Erforscht werden soll das  Schiff von Uluburun (mehr dazu hier), welches ca. 1300 v. u.Z. vor der türkischen Südküste sank und dessen interessante Ladung 1982 geborgen wurde.

Wie beim Forschen so üblich, stellen die Schülerinnen und Schüler zunächst Hypothesen an, wohin das Schiff unterwegs war und vor allem, wieso es so viel Zinn und Kupfer an Bord hatte. Was sofort auffällt, ist die eigentümliche Form der  Metallbarren. Die Kinder finden schnell, dass man sich das einmal genauer angucken sollte. Auch der Schiffstyp, die Ladung und der Fundort des Wracks könnten eine wichtige Rolle spielen bei des Rätsels Lösung.

Um sich den verschiedenen Fragestellungen widmen zu können, arbeiten die Kinder in kleinen Gruppen. Schließlich haben sie in der letzten Stunde gelernt, dass es wichtig ist, viele Spezialisten im Team zu haben und es einfach unmöglich ist für einen Menschen, alles zu wissen.

Wo auf der Karte ist das?

Eine Gruppe breitet also erstmal eine historische Karte auf dem Tisch aus und stellt Vermutungen über die Herkunft der Ladung an. Das Rollsiegel? Erfunden von den Babyloniern, die in einer Tiefebene lebten, die sich zwischen der heutigen Stadt Bagdad (im Irak) und dem Persischen Golf erstreckt. Die Dolche? Aus dem Reich Mykene, im heutigen Griechenland und über 3000 Kilometer entfernt von Babylon. Der goldene Skarabäus? Eindeutig ägyptisch! Es scheint, als sei die Herkunft der Ladung einmal rund ums Mittelmeer verteilt.

Eine andere Gruppe sieht sich das Schiff genauer an. Es hat ein Segel und 2 seitliche Ruder, allerdings keinen richtigen Kiel, den man für eine gezielte Steuerung des Schiffes eigentlich bräuchte. Es gab damals noch nicht viele ausgebauten Häfen, wie wir sie heute kennen, erklärt Nils Horstmann, der GuP-Lehrer. Deswegen war es wichtig, die Schiffe auf dem Sandstrand anlanden zu können. Aber: Ohne Kiel war man eben auch abhängig von den Winden und Meeresströmungen… wie sah wohl die Route des Schiffes aus?

Merkwürdige Kupferbarren

Die beiden anderen Gruppen beschäftigten sich mit Kupfer und Zinn. Welche Eigenschaften haben diese Metalle? Kupfer ist weich und gut verformbar und dass es in der Natur als Kupfererz vorkommt, dass hatten wir ja schon im Januar gelernt, als wir selber Kupfer gewonnen hatten. Die Frage aber ist, woher stammt es womöglich. Alle Latein sprechenden Menschen ahnen es, für uns war das neu:  „Cuprum“ (lat. für Kupfer)  leitet sich ab von „cyprium“, was übersetzt „Erz von der Insel Zypern“ heißt. Und Zypern liegt auch im Mittelmeer, vor der Küste der heutigen Türkei und Syrien. Und das Zinn? Es ist auch weich und verformbar, hat aber einen viel geringeren Schmelzpunkt und abgebaut wurde es vielleicht im Taurus-Gebirge in der heutigen Türkei.

Woher stammen die weiteren Gegenstände?

An der Tafel werden  alle Informationen zusammengetragen und die Gruppen erläutern ihre jeweiligen Vermutungen. Es kann leider nicht geklärt werden, warum das Schiff gesunken ist (worüber wir aber auch gerne wilde Vermutungen anstellen), aber für alles Andere können wir sagen: Wahrscheinlich war das Schiff ein Handelsschiff, das die Winde und Strömungen des Mittelmeers nutzte. In den Häfen, die es dabei anlief, hat es Ladung gelöscht und aufgenommen und dadurch haben die Völker im östlichen Mittelmeerraum Handel miteinander getrieben. Kupfer und Zinn sind wertvolle Materialien, aus denen man hochwertige Gegenstände herstellen kann.

Bleibt noch (unter einigen anderen) die Frage, was die Menschen wohl damals mit Kupfer und Zinn angestellt haben? In zwei Wochen – nach den Winterferien – beantworten wir das an der Uni! Kleiner Tipp vorab: Es hieß ja nicht Kupfer- oder Zinnzeit so um die Zeit damals, als das Schiff von Uluburun sank…