Wir bauen uns eine Schule…

…das war das Motto unserer Klasse beim „Tag der offenen Tür“ am 13.Januar 2018 an der Wilhelm Focke Oberschule. Die Klasse 5a war freudig aufgeregt und konnte die Grundschüler mit Ihren Eltern gar nicht abwarten. Schließlich waren sie es, die gerade mal ein Jahr vorher diese Schule im Sturm eroberten, bei den vielen Angeboten mitmachten und dabei viel Spaß hatten.

Diesen Spaß wollten sie nun auch den anderen Kindern vermitteln. Als Forscherklasse und Werkstoffprofis stand schnell fest, dass wir ein Mitmachangebot haben wollten, wo alle die Gelegenheit bekommen sollten, aus verschiedensten Werkstoffen und Materialien eine „Traumschule“ zu bauen. So entstand aus Wolkenpapier der Himmel, aus Holz eine Kletterwand, aus Lehm ein Pool, aus Styropor und Watte Bäume, Büsche und Gras, aus Kunststoff Tischtennisplatten, aus Stoff eine Theaterbühne, aus Steinen ein Labyrinth und vieles, vieles mehr.

Die „Traumschule“ wurde ein Abenteuerspielplatz, in dem es viel Raum für Entdeckungen und Spaß gab.

Wie soll unsere Traumschule aussehen?

Neben dem eigenen Spaß die „Traumschule“ mitzugestalten, hatten die Kinder der Klasse 5a aber vor allem Freude daran, die jungen Besucher zu unterstützen und ihnen beim Basteln zu helfen. Was unsere jungen Besucher nicht wussten war, dass genau dieses Schulmodell in ihrem ersten Schuljahr an der Wilhelm Focke Oberschule im Rahmen des GuP-Unterrichts eingesetzt werden soll. Ob sie es wiedererkennen werden?

Wir bleiben gespannt!

Forschung im Vergleich – ein Trip durch die Zeit

Wir sind als Zeitreisende unterwegs, von der Steinzeit geht es heute wieder zurück in die Gegenwart. Erstmal mit der Frage, war das eigentlich Forschung, was wir da letzte Woche als Steinzeitmenschen nachgelebt hatten? Also, sowas wie Urforschung? Haben Menschen damals eigentlich geforscht? Oder sind sie nur über Zufälle gestolpert?

Nils Horstmann will das mit der Klasse heute diskutieren und  hat zwei Bilder zum Vergleich an die Wand geworfen:

Forschung früher und heute: Gibt es Gemeinsamkeiten?

Vieles scheint sehr offensichtlich: Heute arbeiten Forscherinnen und Forscher mit Computern und tragen weiße Kittel dabei! ! Früher haben die Menschen wohl eher zufällig geforscht, heute geht man systematisch vor! Ist das so? Das ist unsere heutige Frage:

Forschung früher (Jungsteinzeit) und heute (2018) – wie prägten Zufälle die Forschung früher und wie prägen sie Forschung heute?

„Wie könnten wir das herausfinden?“, fragt Nils Horstmann und Joris will das ganz pragmatisch lösen: Er schlägt vor,  an die Uni zu fahren und mal kurz nachzufragen. Auch eine gute Idee, aber der Einfachheit halber kommt heute die Uni in die Schule 😉 und zwar in Form von Nils Ellendt, der das Projekt ja mitentwickelt hat, und  einigen unserer Graduierten.

Anastasiya Tönjes, Heike Sonnenberg, Alexander Bader und Gerlies Schulz sind bereit, sich befragen zu lassen: Wozu braucht es Forscherinnen und Forscher überhaupt? Woran forschst du im SFB?  Was macht eine Forscherin aus? Was begeistert dich an deiner Arbeit?

Die Forscherinnen und Forscher aus dem SFB zu Besuch im Klassenraum
Die Forscherinnen und Forscher aus dem SFB zu Besuch im Klassenraum

Und sie sind zugegebenermaßen genauso  aufgeregt wie die Kinder der 5 a, als die jetzt erfahren, dass sie diesen Besuch bekommen. Gerlies Schulz bearbeitet das Teilprojekt Z02 und schreibt mir hinterher:

„Für mich war das Interview mit den Schülerinnen und Schülern eine kleine Herausforderung, da ich nahezu keine Erfahrung im Umgang mit Schulkindern in diesem Alter besitze. Ich war sehr aufgeregt aber auch sehr gespannt, was mich dort erwarten würde. Als ich „meiner“ Gruppe zugeordnet wurde, habe ich mich dann auch direkt in die Zeit zurückgesetzt gefühlt, als ich selbst in diesem Alter und Schülerin war. Ich habe mich also eher „wie eine von ihnen“ gefühlt und nicht wie „die erwachsene Forscherin“. Da den Gruppen eine genaue Bearbeitungszeit vorgegeben wurde, ging das Interview auch schon direkt los. Der Wurf in das kalte Wasser war also schnell vollbracht.

Gerlies Schulz nach dem Sprung ins kalte Wasser

Ich merkte innerhalb weniger Augenblicke, wie unterschiedlich alle Kinder meiner Gruppe waren. Bei einem Kind dachte ich mir: „Ja, das könntest du früher gewesen sein!“ Ich hatte das Gefühl, mich aber sehr gut in jedes Kind hineinversetzen zu können. Natürlich hatte ich auch den Ehrgeiz, die Aufgabe perfekt zu lösen und den Wunsch, dass es ein richtig gutes Interview wird. Am Ende der Stunde hatte ich allerdings das Gefühl, dass es mir nicht meinen Ansprüchen entsprechend gelungen war, den Kindern das geforderte Wissen zu vermitteln. Ich hatte nach jeder gegeben Antwort das Gefühl, dass ich mich viel zu kompliziert ausgedrückt hatte. Meine wissenschaftliche Tätigkeit für Kinder dieses Alters anschaulich darzustellen, war – wie erwartet – nicht ganz einfach. Ein kleines bisschen mehr Zeit wäre schön gewesen, da sich zwischendurch ein Zeitdruck aufgebaut hatte. Aber es war eine gute Übung auch für mich und ich denke, dass die Kinder aus meiner Gruppe trotzdem genug Spannendes aus meinen Erzählungen mitnehmen konnten.“

Und das haben sie sicher, denn unsere Graduierten haben auch was zum Anfassen mitgebracht.

Alexander Bader zeigt, wie die winzigen Kugeln transportiert werden
Alexander Bader zeigt, wie die winzigen Kugeln transportiert werden

Und das wurde gerne und viel auprobiert.  Insbesondere die kleinen Kugeln, die bei uns im Hochdurchsatz getestet werden sollen, fanden alle spannend.

Heike Sonnenberg hat ihren Aspirator mitgebracht

Und dann wurde natürlich darüber gesprochen, wofür man denn die kleinen Proben benötigt und was das alles mit dem Zufall zu tun hat? Der Zufall spielt nach wir vor eine große Rolle in der Forschung, auch in der Materialentwicklung. Durch die vielen kleinen Proben können wir ganz viele verschiedene Legierungen und Bearbeitungen testen und so dem Zufall eine  Chance geben.

Anastasiya Tönjes berichtet aus ihrem Alltag als Forscherin
Anastasiya Tönjes berichtet aus ihrem Alltag als Forscherin

Alle Informationen werden auf Metaplankarten gesammelt und auf das große Poster geklebt, dass ich heute mitgebracht habe.

 

Leonie schreibt die Stichworte auf
Leonie schreibt die Stichworte auf

Aus den Stichworten, die jetzt gesammelt sind, lässt sich erkennen, dass alle unsere Graduierten die Neugier zu Forschung und Wissenschaft gebracht hat. Aber auch, dass sie neben einem planvollen und systematischen Herangehen an ihre Forschung Augen und Ohren offen haben, für all die Zufallsergebnisse, die sich ergeben könnten.

Die Kinder formulieren die Antwort auf die heutige Frage so: „Die Forscherinnen und Forscher heute haben wir uns anders vorgestellt. Früher haben die Menschen Entdeckungen durch Zufall gemacht und dann weiter ausprobiert. Heute wird zwar planmäßig und mit System geforscht, aber der Zufall spielt eine große Rolle. Durch kleine Proben und viele Experimente soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, einen Zufallstreffer zu landen.“

 

 

Eine Forschungsreise in die Vergangenheit

Stell dir vor, du reist ganz, ganz weit zurück in der Zeit. Du lässt Städte zusammen mit ihren lärmenden S-Bahnen und vor Autos und Menschen wimmelnden Straßen hinter dir. Du lässt das moderne Leben, mit seinem Stress und seinem Komfort hinter dir. Nicht einmal deine Kleidung behälst du, sondern tauschst sie gegen einfache Tierfelle ein.
Du bist angekommen im Jahre 9000 v. Chr.

Du läufst durch die unberührte Wildnis. Spürst, wie kühles Wasser aus einem plätschernden Bach an deinen Knöcheln vorbei rauscht. Aber plötzlich, was ist das?! Im kühlen Nass liegt etwas. Du bückst dich langsam und erblickst einen wunderschönen Stein, den du aus dem Wasser holst.
Der Stein liegt schwer in deiner Hand. Du hälst ihn ins Licht und staunst bei dem Anblick: In schimmernden Spiralen ergießen sich Türkis- und Blautöne über diesen Stein, er glitzert atemberaubend schön im grellen Sonnenlicht!
Du entscheidest dich, den Stein mitzunehmen und machst dich wieder auf den Heimweg.

So ähnlich erzählt auch Nils Horstmann, Lehrer für das Fach Gesellschaft und Politik (kurz GuP), der Klasse 5a die Geschichte eines Steines, um den es sich in der heutigen Stunde drehen soll.
Die Kinder staunen nicht schlecht, als Nils Horstmann plötzlich eben diesen Stein in der Hand hält.
Natürlich stellt sich jetzt die Frage, was macht man mit so einem schönen Stück Felsen?
Um diese Frage zu beantworten, hat Claudia Sobich wieder Verstärkung aus der Uni mitgebracht. Mit dabei sind heute Nils Ellendt, Geschäftsführer des SFB1232, und Arne Beinhauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt S01.

Zunächst dürfen die kleinen Forscherinnen und Forscher aber mal mutmaßen, wie man den Stein am besten untersuchen könnte. In siedendes Wasser oder ins Feuer werfen, abschaben mit einem anderen Stein oder einfach zerschlagen, da fällt den Kindern genug ein.
Nachdem Nils Ellendt erklärt hat, dass die beste Möglichkeit den Stein zu untersuchen, tatsächlich wäre, ihn in seine Einzelteile zu zerlegen, nehmen wir also die Kinder beim Wort und es geht los mit dem Kaputthämmern – natürlich darf auch dieses Mal entsprechende Schutzkleidung nicht fehlen.

Dass man beim Hämmern lieber auf seine Finger achtet, wird gleich mitgelernt (aber der Schmerz ist schnell vergessen). Die Beobachtungen beim Hämmern und die Ergebnisse aus einer ersten Untersuchung der Kleinteile werden anschließend an der Tafel festgehalten. Besonders interessant erscheint dabei, dass in dem Stein wohl etwas kupfern Glänzendes enthalten sei.
Um dieser heißen Spur nachzugehen, entscheidet sich die Klasse, zusammen mit den Forschern von der Uni, dass im nächsten Schritt der Stein erhitzt werden soll.
Da wir nicht „Steinzeit-getreu“ ein Lagerfeuer mitten im Nawi-Raum legen können, müssen Nils Ellendt und Arne Beinhauer etwas improvisieren: Sie mischen das Steinpulver mit Kohlestaub(der das brennende Holz darstellt) und erhitzen es anschließend über einem Bunsenbrenner. Nach einiger Zeit über der rauschenden Flamme fängt das tiefschwarze Gemisch zur Begeisterung der Kinder langsam an, sich kupfern zu verfärben. Bei diesem ganz besonderen grünen Stein handelt es sich nämlich nicht um einen normalen Kieselstein, nein, hier haben wir es mit Kupfererz zu tun und wir haben gerade das Metall entdeckt, so ähnlich wie auch die Menschen damals am Ende der Steinzeit.

Was muss das spannend gewesen sein damals, äußern die Kinder, ein ganz neues Material und ganz neue Möglichkeiten. Daraus lassen sich neue Gegenstände mit wahrscheinlich besseren Eigenschaften herstellen. Aber auch für Schmuck kann man sowas schön Glänzendes verwenden, da sind sich die Kinder sicher. Um jetzt auch noch das Gelernte anzuwenden, werden Pfeilspitzen gegossen. Leider muss das Kupfererz eigentlich auf 1085°C erhitzt werden, damit es schmilzt. Doch auch jetzt können wir kein Lagerfeuer machen, sondern Nils Ellendt und Arne Beinhauer haben Gallium mitgebracht (schmilzt schon bei 29,76°C) und der Spaß kann losgehen. Außerdem hat Gallium einen silber-metallischen Glanz. Sieht auch sehr schön aus.

Bevor die Kinder in die Pause dürfen, darauf brennend, das Gelernte ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zu erzählen, müssen natürlich alle Ergebnisse vom Tafelbild ins Heft übertragen werden.
So geht die erste ereignisreiche Stunde aus der Lehreinheit „Metallzeit – Evolution durch Werkzeuge“ zu Ende.

Auf der Suche nach Informationen

Rund um das Thema Fragen geht es weiter. Und zu „Fragen“ gehören natürlich auch „Antworten“. Wie kommt man denn schlau an Antworten und Informationen? Wie kommen wir heute an Informationen und wie war das eigentlich früher? Welche Medien nutzen wir am besten wofür? Und – ganz wichtig – woher wissen wir, ob Informationen auch richtig sind?

Das  sind schon wieder eine Menge Fragen, aber viele Arme sind oben und alle reden mit. Das Internet und Handy sind klare Favoriten bei der Suche nach  Informationen, aber auch die Familie wird eindeutig als ein Wissensquell gesehen. Und Lehrerinnen und Lehrer auch ;).

Nach einer kleinen Einstiegsdiskussion, in der schon viele Vorschläge und Ideen gesammelt werden, sehen wir uns gemeinsam einen Film dazu an. Danach vervollständigen wir an der Tafel unsere Sammlung an möglichen Informationsquellen und bekommen eine ansehnliche Menge zusammen:

Wer oder was sind Informationsquellen?

Der Film regt auch dazu an, darüber nachzudenken, was mit den eigenen Daten im Internet passiert und darüber diskutieren wir anschließend mit den Kindern. Die sind da schon ganz kritisch! Verblüffend für Fünftklässler finde ich.

Aber alles in allem wird klar: Auch in dem riesigen Meer an Informationen, das wir heutzutage dank Internet, Zeitung, Fernsehen und Radio haben – ohne (Nach-)Fragen kommen wir nicht aus. Und leichtgläubig sollte man erst recht nicht sein.

Für diesen Blog wollten die Kinder noch  ihre Statements zum Thema geben und hier sind sie:


Fragenstellen ist wichtig, weil man dadurch lernt.
Man lernt nicht für den Moment, sondern fürs Leben.
Durch das Fragen erfährt man Antworten.

Die Medien sind für heute eine wichtige Informationsbeschaffung. Allerdings gehen vom Internet Gefahren aus. Wenn man etwas reinstellt und es wieder löscht, bleibt es im Internet. Man darf es aber genau so nutzen, wie andere Medien.

Fragenstellen ist wichtig, weil wenn man keine Fragen stellt, bleibt man dumm. Beispiel: Wenn mein Flugzeug schon um 18:00 Uhr fliegt, aber ich denke mein Flugzeug fliegt erst um 20:00 Uhr und mich nicht traue zu fragen, dann verpasse ich meinen Flug. Dadurch verliere oder verschenke ich viel Geld.

Wir finden Fragen wichtig, weil man ohne Fragen die Antwort sonst nicht weiß und die falsche Antwort anderen erzählt, die denken dann, dass die Antwort richtig ist und erzählen es wieder anderen. Danach denken viele die Antwort wäre richtig usw.

Aus Fragen lernt man und wird schlauer. Aber manche Kinder sind zu schüchtern oder haben Angst und trauen sich deswegen nicht vor der Klasse Fragen zu stellen und bleiben vielleicht deswegen sitzen oder haben immer schlechte Zensuren. Fragen helfen einem im Leben schneller an das zu kommen, was man sucht. Lieber einmal mehr fragen, als sitzen zu bleiben oder dumm zu bleiben.


Alba und Merlin lesen vor, was ihnen zum Thema „Fragen“ eingefallen ist

Mehr gibts dazu  nicht zu sagen,  außer – dann mal schöne Weihnachtsferien, liebe 5a. Weiter gehts am 11. Januar 2018. Rutscht alle gut rein!

 

 

 

„Wer keine Fragen stellt, bekommt keine Antworten“

Ich bin Emilia Kurilov, 19 Jahre alt und arbeite seit September als studentische Hilfskraft im Bereich Öffentlichkeitsarbeit des SFB 1232. Im Rahmen meiner Arbeit unterstütze ich Claudia Sobich beim Kooperationsprojekt „Schule in farbigen Zuständen“.
Seit 2016 studiere ich Medien-, Kommunikations- und  Wirtschafts-wissenschaft an der Uni Bremen. Durch meinen Studiengang inspiriert, finde ich das Arbeiten im SFB sehr interessant, vor allem das Kooperationsprojekt mit der WFO macht sehr viel Spaß und bringt auch einen großen Erkenntnisgewinn.

In der heutigen Unterrichtsstunde am 07.12. dreht sich alles um das Thema „Fragen stellen“. Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm – heißt es in einem Lied aus der „Sesamstraße“, das wahrscheinlich viele noch aus Kindheitstagen kennen.

Während der Unterrichtseinheit mit den Arduinos hatten Cornelia Große und Claudia Sobich das Frage-und-Antwort-Verhalten der Kinder evaluiert. Dabei gab es ein interessantes Ergebnis: Die Kinder hatten zwar bei den Programmier-Unterrichtseinheiten alle Fragen beantwortet, die ihnen von Ihrem Mathelehrer Markus Leuschner und dem Informatiker Sebastian Huhn gestellt wurden, sie selbst stellten jedoch kaum Fachfragen zu den Arduinos. Waren alle so schlau und haben immer alles sofort verstanden? War das Thema zu kompliziert und die Kinder konnten keine konkreten Fragen stellen? Lag es vielleicht daran, dass das Interesse der Kinder nach den ersten Programmierversuchen doch wieder zurückging? Oder gab es noch einen ganz anderen Grund?

Um das herauszufinden, hatten Katrin Börger, die Klassenlehrerin, und Claudia Sobich beschlossen, der Sache nachzugehen und sich dazu eine kleine „Fragestunde“ überlegt.
Es begann damit, dass die Kinder anonym – fast wie im Wahllokal – abstimmen sollten, ob sie gerne Fragen in der Klasse stellen oder nicht. Dazu gab es ein verdecktes Plakat hinter der Tafel, auf dem die Kinder mit Klebepunkten ihre Einstellung verdeutlichen konnten.

Auswertung: Stellst du gerne Fragen in der Klasse?

Kurzes Durchzählen und das Ergebnis war klar: 16 zu 11 dafür, dass sie gerne im Plenum Fragen stellen. Das ist zwar eine Mehrheit, jedoch nur eine recht knappe.
Dass so viele nur ungern oder gar nicht fragen mögen, stimmt nachdenklich. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Wer kennt das nicht? Dieses leichte Unbehagen, in einer großen Gruppe eine Frage zu stellen? Jeder denkt sich doch mal, okay, niemand sonst hat eine Frage, dann stelle ich meine lieber auch nicht – sonst werde ich noch ausgelacht. Oder halte hier alles auf. Oder alle wissen, ich habe eben nicht zugehört…….
Welche Gründe die Kinder wohl haben könnten? Dazu hatten Frau Sobich und Frau Börger eine Gruppenarbeit vorbereitet, bei der die Kinder zwei Fragen diskutieren und beantworten sollten. Und zwar: Warum ist fragen wichtig? Und: Welche Gründe gibt es dafür, dass man nicht fragt?

Alena, Alaa, Jonas und Laurenz diskutieren
Alena, Alaa, Jonas und Laurenz diskutieren

Die Ergebnisse wurden im Anschluss von allen Gruppen vorgestellt und an der Tafel gesammelt. Und die Kinder hatten wirklich viel zu sagen! Es wurde nicht nur laut und angeregt in den Gruppen diskutiert, sondern die Kinder gaben auch verblüffende Antworten.

Besonders für mich, da ich immer wieder merke, wie erwachsen die Kinder trotz ihres jungen Alters schon denken. Zum Teil kamen da schon richtig weise Bemerkungen.
Es kam heraus, dass die größte Angst der Kinder darin liegt, ausgelacht zu werden, weil sie eine „doofe Frage“ stellen. In ihren Gesichtern war jedoch abzulesen, dass sie sehr erleichtert darüber waren, dass es anscheinend nicht nur ihnen jeweils allein so geht.

Das sind die Antworten der Kinder

In einer Schlussrunde wurde noch geklärt, dass es keine „dummen Fragen“ gibt und dass man immer alle Fragen stellen sollte, die einem so in den Kopf kommen. Die Kinder stürmten von neuem Mut erfüllt in die Pause und wir bleiben in der nächsten Zeit an diesem Thema dran.

 

Wetter heiter 20°C

Die letzten beiden Doppelstunden mit den Arduinos. Jetzt wird sehr intensiv und kreativ an den Projekten gearbeitet. Dabei haben wir den Kindern ziemlich freie Hand gelassen. Die meisten gehen so vor: Erstmal nach Anleitung alles fertig stellen und dann einfach mal alle möglichen  Parameter verändern. Und die Entdeckung der Möglichkeiten macht zunehmend Spaß.

Jannis Stoppe berät beim Matrix-Projekt

Die anwesenden Informatiker und der Mathelehrer Markus Leuschner stehen dabei beratend zu Seite. Sie werden dann doch lieber nochmal gefragt, bevor wilde Steckverbindungen ausprobiert werden.

Phillip lässt der Kreativität freien Lauf

Besonders gerne genutzt werden natürlich die jetzt gut kalibrierten Displays, manche würde gerne ganz Romane auf ihnen schreiben. Aber oft  tut es auch einfach eine kurze Mitteilung. Die Wetteransage „Heiter 20°C“ gefällt mir an diesem grauen und regenreichen Tag im November besonders gut.

Für die allerletzte Stunde ist ein „Museumsrundgang“ geplant. Die Kinder stellen sich gegenseitig ihre Projekte noch einmal vor. Bei den Erklärungen für die anderen, werden noch die letzten Verständnislücken entdeckt und  geschlossen.

Markus Leuschner gibt noch letzte Tipps

Da wir ja als Herausforderung noch haben, die durchgeführten Module übertragbar zu machen und anderen Schulen zur Verfügung zu stellen, ziehen wir als Resümee: Das Arduino-Modul ist schon eine Herausforderung insofern, als das Markus Leuschner viel Zeit investiert hat, um sich selber „aufzuschlauen“. Sein Engagement hat uns sehr beeindruckt, kann aber sicher nicht von jeder Lehrkraft so nebenbei geleistet werden. Das Modul lässt sich also eher von Lehrkräften durchführen, die schon gewisse Vorkenntnisse haben mit  den Arduinos. Hinsichtlich der Kinder gilt, dass ein kleiner Vorkurs nützlich sein könnte, um sie mit Computer-Grundkenntnissen zu versorgen und ihnen den Umgang mit der Tastatur zu zeigen.  Als ständige Nutzer von Computern hatten wir bei der Planung des Moduls ein wenig übersehen, dass die Digital-Nativ-Kids zwar hervorragend „wischen“ können, aber es eine Hürde für sie sein kann, eine geschweifte Klammer mit der Tastatur  zu  zaubern.

Alles in allem hatten wir alle aber viel Spaß dabei. Ganz zum Schluss hat noch  jemand ein Steckboard geschrottet. Das Innenleben hat alle sofort interessiert. Da ist doch schon viel erreicht, wenn die Kids sich dann sofort darum drängeln, das genau zu inspizieren, finde ich.

Aha, so sieht ein Steckboard von innen aus!

Wimmelbildgefühl

Erschwerte Bedingungen diesmal. Markus Leuschner kann am Donnerstag Morgen nicht dabei sein erfahren wir am Vortag. Kurze Abstimmung der restlichen Beteiligten. Trauen wir uns das im „Alleingang“ zu?  Sebastian Huhn, auf der Rückfahrt von einer Konferenz, schreibt aus dem Zug: „Ich denke, das kriegen wir hin! “ Soviel Zuversicht färbt ab und wir bitten die Schule um eine Vertretung, die uns den Raum aufschließt und uns – wenn auch nicht fachlich – unterstützt. Katrin Börger, die Klassenlehrerin,  springt gerne ein.

Die Doppelstunde an diesem Donnerstag war ohnehin offen geplant, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, an ihren Projekten zu arbeiten. Allerdings zeigt sich schnell, wir haben einige Schwierigkeiten mehr als erwartet. Beim Kopieren der Softwareprogramme ist nicht alles einwandfrei übertragen worden. Die Fehler im Programm sind nicht so leicht zu finden. Der Kontrast der Displays ist nicht sinnvoll voreingestellt, sodass sich nichts erkennen lässt und das drehpoti ist selbst für die kleinen Kinderhände zu klein. Jetzt bräuchte es also einen Schraubenzieher, der gerade nicht zur Hand ist….

Sebastian Huhn und Jannis Stoppe müssen heute alles geben, denn ich bin keine große Hilfe, mein Arduino-Verständnis ist auf dem Niveau der Kinder und ich kann nur geduldig mit ihnen die Schritt-für-Schritt-Anleitungen durchgehen, falls was nicht klappt. Cornelia Große, die über das Lernverhalten von Kindern forscht und diese Unterrichtseinheit eigentlich deswegen begleitet, kennt sich mit Arduinos allerdings aus und beteiligt sich heute auch ganz intensiv bei den Projektarbeiten. Zwischendurch blicke ich immer wieder über die lebhaft arbeitenden und diskutierenden Kinder, die mit kleinen Kabeln, Lämpchen und Steckwiderständen hantieren und muss an Wimmelbilder denken…..

Als die Fragewelle ein wenig abebbt und erste Erfolge sichtbar werden, greife  ich  schnell zum Fotoapparat und schaffe heute ein kurzes Video:

Die Ampel läuft also schon mal als Fußgängerversion und ich höre auch erste, schrille Töne, die anzeigen, dass es Erfolge bei der Diebstahlsicherung gibt.

Beim Füllstandanzeiger wurde das Glas Wasser verschüttet, aber der Arduino ist hart im Nehmen. Nach einer Trocknungsaktion läuft alles wieder prima.

Am Ende der Doppelstunde haben alle Projekte einen kleinen Teilerfolg zu verbuchen. Sebastian Huhn verspricht, nächstes Mal mit Schraubenzieher zu erscheinen und offen gebliebene Fragen beantworten zu können. Wir sind etwas erschöpft nach diesem Einsatz heute und machen eine schnelle Nachbesprechung. Fazit: Wir haben im Team geplant, wir sollten besser auch im Team unterrichten. Und einige wichtige Teile aus dem Arduino-Baukausten hätten wir vorher testen sollen. Haben wir auch wieder was dazu gelernt!

Und jetzt blinkt sie….

Große und gespannte Ungeduld heute. Die Kinder sitzen Punkt 8 alle an ihren Tischen, die Schulranzen schon aus dem Weg geräumt, die Jacken ausgezogen. „Bitte sofort loslegen!“, ist die nonverbale Botschaft!

Sehr gerne! Eigentlich hatten wir nämlich schon in der letzten Stunde auch  die LEDs zum Blinken bringen wollen, aber uns war die Zeit davon gelaufen. Deswegen wollen wir heute damit starten.

Lutz Mädler ist auch wieder dabei – er war ganz gespannt darauf, wie es sich mit den Arduinos arbeiten lässt und schaut den Kids der 5 a heute neugierig über die Schultern.

Zu Beginn erklärten Sebastian Huhn und Markus Leuschner nochmal ganz genau, wie und warum die Kabel anders gesteckt werden müssen, um die LEDs blinken zu lassen  und was man im Programm alles ändern kann, damit die Lampen unterschiedlich lang leuchten.

Bevor die Kinder mit eigenen Projekten starten, wollen wir ganz sicher gehen, dass diese Grundlagen bei allen angekommen sind.

So sah die erfolgreiche Umsetzung aus:

Markus Leuschner hat 12 Projekte vorbereitet. Alles Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Fotos. Das hat ihn einige Tage Zeit gekostet, aber die Mühe hat sich gelohnt, wie sich  später zeigt.

Diese Projekte haben unterschiedliche Schweregrade. Die Kinder sollen sich und ihre Kenntnisse selber einschätzen und entsprechend wählen. Bei der Verteilung der Projekte können sich alle gut einigen und die Schwierigkeitsgrade werden auch über die Jungs- und Mädchenteams gleichermaßen  verteilt. Das freut uns, dass die Mädchen sich hier auch was zutrauen, denn die Vorkenntnisse zum Thema Programmieren lagen eher auf der Seite der Jungen.

Markus  Leuschner beantwortet noch letzte Fragen, bevor es losgehen soll. Die lustigste kommt von Phillip: „Können wir endlich anfangen?“

Zwischendurch hatten wir in dieser Stunde Besuch von Maren Brandstätter und Charlotte Behr, beide von der Bremer Regionalzeitung „Weser-Kurier“. Sie wollten gerne erfahren, wie unser Schulprojekt in der Umsetzung aussieht. Und so stand es dann eine Woche später in der Zeitung:

Artikel Weser-Kurier Stadtteilbeilage vom 16.11.2017

 

 

 

Arduinos am Start

Programmieren ist angesagt. Zumindest bei den Kids der 5a. Im Vorfeld befragt, worauf sie sich am meisten freuen, war die überwältigende Antwort: Programmieren. Da war der Druck schon nicht unerheblich für diese Unterrichtseinheit ;).

Und dann zeigte sich in der ersten Stunde, dass die Vorkenntnisse der Schülerinnen und  Schüler hier weit auseinandergehen. Während einige zu Hause mit den Eltern schon erste Programmierkenntnisse erworben oder bei Geburtstagsfeiern  kleine Roboter programmiert haben, können andere nur rudimentär mit der Computertastatur umgehen. Also, alle abholen und mitnehmen, ohne dass sich jemand Anderes langweilt – das wird nicht einfach, war uns nach der ersten halben Stunde klar. Aber wär ja auch für uns langweilig, wenn da nicht etwas Herausforderung wäre.

Diese Unterrichtseinheit ist vorbereitet worden vom Mathematiklehrer Markus Leuschner und unseren Informatikern Sebastian Huhn (TP P01) und Jannis Stoppe (TP P02).

Jannis Stoppe und Sebastian Huhn erklären wie’s geht

Um mit den Kindern in die Welt des Programmierens einzutauchen, hatten wir uns für Arduinos entschieden.  Sebastian Huhn und Jannis Stoppe empfahlen, die wären am besten für einen Start geeignet. Der Arduino besteht aus Hardware und Software. Die Hardware ist ein kleines „Board“  mit einem Mikrocontroller und analogen und digitalen Ein- und Ausgängen. Die Software  basiert auf der Programmiersprache Processing und soll auch technisch weniger Versierten den Zugang zur Programmierung und zu Mikrocontrollern erleichtern. Markus Leuschner hatte vorher noch nichts mit Arduinos gemacht und in den Monaten der Vorbereitung intensiv und mit viel Elan an den kleinen Programmiereinheiten getüftelt und die Projekte vorbereitet.

Arduinos im Schuhkartondeckel

Angefangen haben wir die erste Stunde damit, mal gemeinsam zu gucken, was in unserem Alltag denn überhaupt programmierbar ist (und zwar hier). Im Abstimmungsverfahren lagen die Kinder 100 % richtig und konnten auch den Unterschied zwischen programmierbarem und „normalem“ Kühlschrank sofort erkennen. Über programmierbare Toiletten wurde einen Moment lang gerätselt, aber nee….

Na, dann also los! Markus Leuschner hatte die Arduinos in Schuhkartondeckel geklebt, damit sind sie und die vielen Kleinteile schnell aus- und wieder eingepackt. Gemeinsam und Schritt für Schritt erklärt, sollte als erstes eine LED zum Leuchten gebracht werden. Wozu sind welche Steckverbindungen auf dem Board notwendig? Wo ist der Plus- wo der Minuspol? Was ist ein Widerstand und wozu braucht man den? Diese Frage allerdings klärte sich  ganz schnell, denn einige Widerstände waren dann doch nicht ganz korrekt gesteckt und schon rauchten die LEDs ab.

Am Ende der ersten Stunde dann hatten alle ihr Programm richtig aufgerufen, die Worte „if“ und „else“ verstanden und eine LED zum Leuchten gebracht. Viel Freude auf den Gesichtern – und viel Vorfreude auf die nächste Stunde bei den Kindern.