Was sind eigentlich Deskriptoren?

Obwohl ich die Versuche im Projektbereich D schon gut verstanden habe, war mir nach dem Gespräch mit Brigitte Clausen immer noch nicht ganz klar, was das Wort Deskriptor genau bedeutet. Deshalb habe ich einen Termin mit Heike Sonnenberg vereinbart. Heike ist neben Ilya Bobrov eine von zwei wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen im Teilprojekt D01.

Heike Sonnenberrg an ihrem Arbeitsplatz
Heike Sonnenberg an ihrem Arbeitsplatz

Zuerst klären wir, was es überhaupt genau auf sich hat mit den ganzen neuen Versuchen. Denn, wie es sich rausgestellt hat, ist es relativ kompliziert aus den konventionellen Methoden Werkstoffeigenschaften zu entnehmen. „Nehmen wir beispielsweise den Zugversuch. Einfach nur an einer Probe zu ziehen, reicht nicht aus, denn was genau sehen wir dort überhaupt?“, beginnt Heike Sonnenberg unser Gespräch. „Bei Makroproben werden die gemessenen Werte des Versuchs in ein Spannungs-Dehnungs-Diagramm eingetragen. Um aber auf die Spannung zu schließen, braucht man die Fläche, denn Spannung ist die Kraft pro Fläche.“ Damit dieses Diagramm aber wirklich repräsentativ ist, muss man auch Angaben über die Dehnung machen. Und diese bei einer kleinen Kugel zu messen, gestaltet sich als schwierig, da man mit Hilfe eines sogenannten Extensometers, also einem zusätzlichen Wegmesser, die genaue Strecke messen muss, um die sich die Probe verlängert. Im Falle einer so kleinen Probe ist ein Millimeter schon sehr viel. Das zu messen wäre mit einem internen Messgerät kaum möglich. Noch dazu kommt, dass die Probe natürlich auch brechen oder reißen kann, was das Spannungs-Dehnungs-Diagramm noch komplizierter macht.

Und genau hier kommen die Deskriptoren ins Spiel. Denn der Projektbereich D beschäftigt sich damit, vereinfachte Prüfverfahren zu entwickeln. Z. B. wird im Teilprojekt D01 kein Zugversuch mehr durchgeführt, sondern ein weniger komplizierter Druckversuch. Aus diesem Versuch lassen sich zwar nicht die gleichen Werte ablesen, wie beim Zugversuch, jedoch kann man daraus „Zeiger“ ableiten. Und „Zeiger“ ist eigentlich nur ein anderes Wort für Deskriptor. Bei Deskriptoren handelt es sich also um spezifische Kennwerte, aus denen im weiteren Verlauf (das meint konkret die Arbeit im Projektbereich P) leicht Aussagen über die Dehnung, die Stauchung oder auch die Spannung im Material gemacht werden können. Natürlich können verschiedene Deskriptoren auch auf die gleiche Eigenschaft hinweisen, z. B. die Härte. „Wenn ein Material hart ist, kann man es nicht so tief eindrücken und beim Festwalzen braucht man mehr Kraft, um da rüber zu fahren, weil es eben so hart ist“, gibt Heike Sonnenberg mir als Beispiel. Das hat mir sofort eingeleuchtet!

Die Werte, die in den einzelnen Versuchen rauskommen, sind so gesehen die Deskriptoren für die verschiedenen Werkstoffeigenschaften und liefern schneller erste Ergebnisse. Eigentlich gar nicht so schwierig!

Bildquellen

  • k-Heike am Arbeitsplatz: Maria Hilken / SFB 1232
  • Was sind Deskriptoren?: Emilia Kurilov

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