Eine etwas andere Fabrik

Immer noch im Projektbereich P unterwegs, habe ich heute eine andere Interviewpartnerin. Bei meinem Gegenüber handelt es sich um Kirsten Tracht. Frau Tracht ist Leiterin des gesamten Projektbereichs P und stellvertretende Sprecherin des SFBs 1232. Außerdem unterrichtet sie im Fachbereich Produktionstechnik an der Uni Bremen.

Kirsten Tracht
Kirsten Tracht

Wie versprochen fangen wir heute genau da an, wo wir letztes Mal aufgehört haben. Und zwar bei den Versuchsplänen. Nachdem sie im Teilprojekt P02 erstellt wurden, kommen sie ins Teilprojekt P03: Probenlogistik, das von  Alexander Bader bearbeitet wird. In diesem Teilprojekt werden Konzepte erstellt, die dazu dienen die Versuchspläne in die Tat umzusetzen. Und dass unter einer ganz besonderen Bedingung. Alle Abläufe müssen nämlich im Sinne des Hochdurchsatzes passieren. Das bedeutet, dass die Logistik dafür sorgen muss, dass die Proben möglichst schnell und stetig zwischen den einzelnen Prüfstationen hin und her geschleust werden. Und konkret bedeutet das, zu überlegen in welcher Reihenfolge die Proben bearbeitet werden. Etwas tricky an der Sache ist, dass nicht alle Prüfstationen gleich schnell sind. Eine Station kann vielleicht nur einige wenige Elemente in Stunden bearbeiten, eine andere dagegen hunderte Stück in wenigen Sekunden. Um dem gerecht zu werden, nutzen die Forscherinnen und Forscher im TP P03 verschiedene Informatik- und Logistikmethoden und simulieren zunächst die einzelnen Prozessketten auf Basis der Versuchspläne aus dem TP P02.

Bei den Simulationen und später auch während der realen Abläufe muss darauf geachtet werden, dass der Erkenntnisgewinn möglichst groß ist. Das ist auch der Grund, warum Prozessketten manchmal abgebrochen werden, erklärt mir Kirsten Tracht. Denn wenn auf der Hälfte der Strecke schon bemerkt wird, diese Prozesskette verläuft sich im Sande oder die erdachte Erkenntnis ist bereits gewonnen, dann nützt es nichts, den Prozess bis zu seinem Ende durchzuführen. Somit unterscheidet sich die Logistik im SFB 1232 grundlegend von der klassischen Produktion, bei der die Prozessketten alle fertig werden müssen. Sonst gäbe es am Ende ja kein Produkt! Ein weiterer Unterschied, der die Prozessplanung wesentlich komplizierter macht, ist der Fakt, dass einige Prozesse spontan wiederholt werden müssen, wenn ein Materialwissenschaftler oder eine Materialwissenschaftlerin darin Potential für eine wichtige Erkenntnis sieht. Daraus ergibt sich ein variables Anlagenlayout. Das bedeutet, dass es nicht eine starre Produktionslinie gibt, wo die Prozesse in gleicher Reihenfolge abgearbeitet werden, sondern ist es so, dass die Proben ganz unterschiedlich zwischen den Stationen hin und her gereicht werden können.

Aber im Grunde soll aus der Forschungsarbeit im SFB, bei der viele Logistikprozesse zurzeit noch händisch passieren, irgendwann am besten eine vollautomatisierte Fabrik werden. Also so etwas wie ein Material-Testcenter. So zumindest würde Kirsten Tracht es sich wünschen.

Übrigens arbeiten die Projektbereich P03 und P02 nicht nur in eine Richtung zusammen. Der Prozess funktioniert auch in die andere Richtung. Wenn die Logistiker feststellen, dass eine Prüfstelle vielleicht noch Kapazitäten frei hat, dann können sie diese Information an die Versuchsplanung weitergeben, sodass der vorhandene Arbeitsplatz möglichst effektiv genutzt wird.

Im nächsten Beitrag geht es dann um die Handhabung der Proben.

 

 

 

 

 

Bildquellen

  • Kirsten Tracht: SFB 1232 / Juliana Walther
  • Grafik Versuchsplan: SFB 1232

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