Ab ins All!

Auch diesmal frage ich natürlich nach der Vision meines Interviewpartners – denn für mich ist das einfach die interessanteste Frage. Was treibt jeden Menschen persönlich an, eben diese Forschung zu betreiben? Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt und der feine Draht zwischen Realität und Science-Fiction verschwimmt.

Auch Carsten Heinzel hat da so seine Ideen, so berichtet er mir, dass natürlich erstmal das große Forschungsziel darin besteht, das Hochdurchsatzverfahren zum Laufen zu kriegen. Also damit in der Mikrowelt Dinge zu beschreiben, die man in der Makrowelt dann genauso wiederfinden kann. Wenn das gelingt, kann man damit in völlig neue Bereiche vorstoßen! Und da sind der Phantasie nun wirklich keine Grenzen mehr gesetzt. Völlig wilde Legierungszusammensetzungen, die bisher noch keiner untersucht hat, in Kombination mit ganz kurzen oder sehr langen Wärmebehandlungen, die dann auf einmal zu Eigenschaften führen, die man so noch gar nicht in Werkstoffen kennt! Also zum Beispiel, ein sehr duktiler Werkstoff, der nicht sofort spröde bricht und eine 10- oder 100-fach größere Last ertragen kann, als herkömmliche Materialien. Und wo die ertragene Last so viel höher ist, kann dann auch 10- oder 100-fach kleiner gebaut werden. Dann würde auf einmal alles viel leichter werden und der Betrieb bspw. einer Maschine würde viel weniger Energie und Ressourcen kosten!

Carsten Heinzel
Carsten Heinzel

Eine Beispielanwendung hat Herr Heinzel da auch schon im Sinn: Alles, was in Richtung Luft- und Raumfahrt geht. Einem Gebiet, bei dem es darauf ankommt, dass alle Bauteile sehr leicht, aber auch sehr, sehr fest sind, also mechanisch und thermisch stabil, da die Raumfahrt viele Risiken mit sich bringt. Beispielweise der Wiedereintritt einer Rakete in die Atmosphäre, denn dort treten extrem hohe Kräfte und Wärmeströme auf. Das ist natürlich sehr belastend für die Materialien. Oder auch ein bemannter Flug zum Mars. Es müssen dafür viele Vorräte und Equipment transportiert werden, was gar nicht so einfach ist, da man für ein Kilogramm Gepäck ein Vielfaches an zusätzlichem Volumen einplanen muss.

Das ist zwar schon sehr weit gedacht, aber das, was der SFB macht, ist für eben solche Anwendungen die Methode zu entwickeln. Und wenn der SFB 1232 zeigen kann, dass die Methode funktioniert, dann hätte man forschungsmäßig und wissenschaftlich schon wahnsinnig viel erreicht. Wie man das dann später für verschiedenste Anwendungen nutzbar macht, das hängt natürlich davon ab, wie die Methode im Konkreten ausgestaltet wird. Aber das ist ein Schritt, den vielleicht andere Industriefirmen und Forschungsinstitute gehen müssen, wenn die Zeit reif ist.

Bildquellen

  • Carsten Heinzel: SFB 1232 / Claudia Sobich
  • Sonde auf dem Mars: pixabay.com

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