Eingebettet und abgeschliffen

Nach der Wärmebehandlung durch Matthias Steinbacher und Sachin Raj Menon führt die Reise unserer Mikroproben wieder zurück ins Projekt Z02. Dort werden sie auf die Behandlung im Rahmen der Deskriptorermittlung vorbereitet. Aber lassen wir die Proben berichten:

Zurück geht es ins Teilprojekt Z02.
Zurück geht es ins Teilprojekt Z02.

Wir sind in einer großen Halle an der Universität Bremen: In einem Labor werden wir mit anderen Mikroproben in eine Masse eingebettet. Zunächst rührt eine Wissenschaftlerin eine klebrige Mischung aus Pulver und einer Flüssigkeit an. Dann setzt sie uns vorsichtig in kugelförmige Mulden in einer Silikonform.

Die grünliche dickflüssige Masse, die die Forscherin angemischt hat, wird in die Form gegossen und in einem Drucktopf gehärtet. Das dauert etwa 15 Minuten. In diesem Teilschritt wird man alle Luftblasen los, sagt sie.

Kein Koch-, sondern ein Drucktopf.
Kein Koch-, sondern ein Drucktopf.

Danach ist unsere Bewegungsfreiheit, gelinde gesagt, eingeschränkt. Wir sind mehr oder weniger in diesem grünen Stoff einbetoniert. Aber Paula erinnert mich, dass das alles seinen Zweck hat. Wie sollen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vernünftig an uns forschen, wenn wir die ganze Zeit hin- und herzappeln können? Ist auch wirklich nicht so schlimm, das Ganze. Was jetzt kommt, mag sich schon eher erschreckend anhören: Wir kommen unter die Schleifmaschine.

Die Schleifmaschine.
Die Schleifmaschine.

Das ist aber nicht dramatisch. Ich vergleiche das immer mit einem Friseurbesuch, da wird ja auch aus gutem Grund an den Haaren rumgeschnippelt. In unserem Fall ist das kein Schönheitseingriff, sondern verfolgt den Zweck, das Forschen an uns Mikroproben zu vereinfachen. Mit glatter Oberfläche können wir später viel besser von innen untersucht werden.

Manchmal liegen zwischen den einzelnen Prozessschritten einige Stunden oder sogar Tage, erzählt uns die Wissenschaftlerin noch. Damit wir Proben in dieser Übergangszeit rostfrei bleiben, werden wir in großen durchsichtigen Behältern gelagert und vakuumiert, befinden uns dann also im luftleeren Raum.

Vakuumbehälter mit Proben in Wärmebehandlungsplatten.
Vakuumbehälter mit Proben in Wärmebehandlungsplatten.

Da ist es auch egal, ob wir uns noch im Kunststoffzylinder oder in den Wärmebehandlungsplatten befinden. Am Boden unseres vorübergehenden Zuhauses liegen – wie auch in den Boxen, die zum Transport zwischen Standorten genutzt werden – kleine Kügelchen, Silica-Gel genannt. Die findet man auch in neu gekauften Kleidungsstücken oder Schuhen, weil sie stark feuchtigkeitsbindend sind. Sie werden als zusätzlicher Schutz vor Rost für die Proben genutzt, denn Rost braucht Sauerstoff und Wasser, um entstehen zu können.

Bei uns gibt es aber keine Wartezeit und daher keine Lagerung in dieser Form. Nach der kurzen Schleifeinheit trägt uns die Wissenschaftlerin mit weiteren Proben direkt wieder rüber ins Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien. Während ein anderer Patch unserer ursprünglichen Probeneinheit zur Zerspanbarkeitsanalyse zu Arne Beinhauer in das Teilprojekt  S04 geht, werden wir an Ilya Bobrov weitergegeben, der gerade aufmerksam Daten auf seinem Computer verfolgt. Wir sind im Teilprojekt D01 gelandet.

„Super, auf euch habe ich schon gewartet“, freut sich Ilya und geht mit uns direkt ins Labor. Auch an uns wird er gleich Messungen vornehmen und physikalische Analysen durchführen. Wir berichten darüber im nächsten Teil. Erst verschnaufen wir nochmal kurz. Reisen ist ja doch auch anstrengend! Und wir haben heute bereits Einiges erlebt.

 

Bildquellen

  • Zurück geht es ins Teilprojekt Z02.: SFB 1232
  • Hier wird gemixt: Pulver, Flüssigkeit & Co.: SFB 1232 / Darian Harff
  • Silikonformen für die Einbettung der Proben: SFB 1232 / Darian Harff
  • Kein Koch-, sondern ein Drucktopf: SFB 1232 / Darian Harff
  • Die Schleifmaschine: SFB 1232 / Darian Harff
  • In Masse eingebettete Mikroproben: SFB 1232 / Darian Harff
  • In Reihe und Glied: 8 Mikroproben: SFB 1232 / Darian Harff
  • Eine Makroprobe: SFB 1232 / Darian Harff
  • Vakuumbehälter mit Proben in Wärmebehandlungsplatten: SFB 1232 / Darian Harff

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